Ziel der Automatisierung der Vermittlungstechnik war eine völlige Unabhängigkeit vom Vermittlungspersonal. Der erste Schritt in diese Richtung war die Erfindung eines "Hebdrehwählers" durch Almon Strowger im Jahr 1889.
![]() Hebrehwähler |
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Ein solcher Wähler war in der Lage, 100 Anschlüsse anzuwählen. 1891 gründete Strowger die "Strowger Automatic Telephone Exchange Co.". 1892 nahm die erste automatische Telefonzentrale in der Nähe von Chicago ihren Betrieb auf. Wo mehr als 100 Teilnehmer vorhanden waren, mußte der Wählvorgang in mehrere Stufen zerlegt werden: Ein "Gruppenwähler" stellte zur Hundertergruppe durch, ein Leitungswähler baute die Verbindung zum gerufenen Teilnehmer auf. Das Wählen geschah zunächst mit einer Tastatur, da hier aber durch unterschiedlich schnelles Wählen Probleme bei der Auswertung der Wahlimpulse auftraten, entwickelte man 1896 das Telefon mit Wählscheibe. Der übermächtige Bell-Konzern behinderte Strowgers Bemühungen, die automatische Vermittlungstechnik in Amerika durchzusetzen, so war er gezwungen, in Europa entsprechende Kontakte zu knüpfen. Dies führte zu einer Kooperation mit Loewe-Gruppe, die 1905 im Reichspostauftrag und in Zusammenarbeit mit Siemens begann, das Fernsprechamt Hildesheim mit Strowger-Wählern zu automatisieren. 1908 ging dann das erste deutsche "Selbstanschlußamt" mit 900 Teilnehmern in Betrieb. Hier bei erwies sich die Zahl der Leitungswähler als zu gering, was dazu führte, daß Verbindungen zu stark belasteten 100er-Gruppen oft nicht möglich waren. Doch die Automatisierung des deutschen Telefonnetzes ging weiter:
1909: erstes europäisches Großstadt Wählamt in München (Hersteller: Siemens; Technik: Strowger-Wähler) 1923: Beginn des "Selbstwählferndienstes": Netzgruppe Weilheim mit 5 Ortsnetzen Im Laufe der Zeit wurden die verschiedensten Wählertypen entwickelt, Höhepunkt hierbei war die Entwicklung eines "Edelmetall-Motordrehwähler (EMD)" durch Siemens im Jahr 1954. Dieser zeichnete sich durch hohe Schrittgeschwindigkeit und nied rigen Verschleiß aus und trat einen regelrechten Siegeszug in große Teile der Welt an. Nachdem Anfang der 60er Jahre der Transistor erfunden worden war und es seit Mitte der 60er integrierte Schal-tungen (ICs) gab, verdrängte die Elektronik nach und nach die Elektromechanik im Vermittlungswesen.
Im November 1962 nahm die DBP die erste öffentliche Vermittlungsstelle mit elektronischer Steuerung in München in Betrieb. Das "elektronisch gesteuerte System mit Magnetkoppelfeldern" stammte von Siemens, die Koppelfelder stellten hierbei den Ersatz für die Wähler dar und bildeten das Sprechwegenetz. Ab 1972 nahmen schließlich alle deutschen Ortsnetze am Selbstwählferndienst teil. 1978 begann der Serienbetrieb des rechnergesteuerten Wählsystems EWS (Siemens, SEL, T&N), das eine größere Vermittlungsgeschwindigkeit als bisherige Systeme und eine Kurzwahleinrichtung aufwies. 1979 traf die DBP die Grundsatzentscheidung zur "Digitalisierung" (Umwandlung analoger Signale, z.B. Sprache, in einen binären Datenstrom) des Fernsprechnetzes und setzte daher seit 1982 bei Neuinstallationen im Fernnetz und später auch in den Ortsnetzen ausschließlich digitale Übertragungs-und Vermittlungssysteme ein. Für den Normalbürger" machte sich die Umstellung vor allem durch die Tonwahl" und einen nahezu verzögerungsfreien Verbindungsaufbau bemerkbar.