Die Geschichte der Telegraphie, Telephonie, Mobilfunk und Vermittlungstechnik.

Bildtelegrafie

Parallel zur elektrischen Telegrafie begann 1843 die Entwicklung der Kopiertelegrafen. Der erste funktionsfähige Kopiertelegraf wurde 1847 von dem Engländer Bakewell vorgeführt, welcher als Geber eine nichleitende Walze verwendete, auf die mit leitender Tinte geschrieben wurde. Diese Walze ist von einem Metallspitze spindelförmig abgetastet worden. Jedesmal wenn die Metallspitze auf die leitende Tinte traf, wurde ein Stromstoß durch die Leitung an den Empfänger geschickt. Beim Empfänger wurde geeignetes chemisch behandeltes Papier, daß sich durch Strom und die entsprechenden Chemikalien Blau färbte, benutzt. Giovanni Caselli, der Erfinder des Pantelegrafen (1856), stellte sein Gerät den französischen Behörden vor, welche die Herstellung einiger Versuchstrecken genehmigte. 1864 wurde per Gesetz bestimmt, daß der Pantelegraf in Frankreichs Telegrafenfamilie aufgenommen werden sollte. Dieser Bildtelegraf wurde erfolgreich auch in anderen Staaten, wie England, bei der Linie Rußland-China und in Italien eingesetzt. Ebenfalls wie bei den herkömmlichen Telegrafen wurde auch hier die Elektromechanik eingesetzt.

Eine entscheidende Rolle bei der Weiterentwicklung der Bildtelegrafie spielte die Erkenntnis, daß durch punktweises Abtasten eines Bildes und die anschließenden Messung der Lichtverhältnisse, welche wieder in ein Spannungssignal umgewandelt werden, eine wesentliche Verbesserung erzielt wird. Durch die Weiterentwicklung der Elektrochemie und der damit verbundenen Erkenntnis, daß ein Halbmetall, Selen existiert, welches auf Licht reagiert, wurde die Bildtelegrafie erheblich vorangetrieben. Durch die Forschung in der Quantentheorie von Max Planck wurde die Entwicklung der Photozelle 1904 von Geitel und Elster überhaupt erst ermöglicht. Siemens arbeitete mit dem Physiker Karolus zusammen und entwickelte ein modernes System der Bildtelegrafie. Eine Photozelle wurde je nach Helligkeit des zu übertragenden Bildes mit mehr oder weniger Licht bestrahlt. Die Photozelle konnte theoretisch 100.000 Lichtschwankungen in verschiedene Spannungen umwandeln. Doch der Empfänger war bei über 12.000 Bildpunkten pro Sekunde schon überfordert. 1925 wurde die erste Teststrecke dieser Art eingerichtet.

Die Entfernungen bei der Bildübertragung stiegen stetig. 1930 bestanden Strecken zwischen Deutschland und England. 1940 bereits konnten über die Strecke Deutschland Japan Bilder übertragen werden. Am 1. April 1960 wurden mit Hilfe des Satel litenfunks sogar die ersten Bilder aus dem All zur Erde gesendet (der Wettersatellit Tiros 1 lieferte in 2 Monaten 23.000 Wetterbilder zur Erde).