Die Geschichte der Telegraphie, Telephonie, Mobilfunk und Vermittlungstechnik.

Die elektromagnetische Telegrafie

Nach der Entdeckung des Elektromagnetismus von Professor Hans Chr. Oested 1819 in Kiel waren die Weichen für die Elektromagnetische Telegrafie gestellt. Der Franzose Ampére entwickelte 1820 einen elektromagnetischen Telegrafen, der nach dem Nadelprinzip arbeitete. Eine Nadel wurde durch ein elektromagnetisches Feld nach links oder rechts bewegt. Diese Methode war aber noch sehr unwirtschaftlich, da sie für eine Übertragung über 1 km 60 km Draht benötigte. Der Mathematiker Gauß und Wilhelm Eduard Weber arbeiteten 1833 an einem elektromechanischen Zeigertelegrafen. Dieser arbeitete nach einem ähnlichen Prinzip benötigte jedoch nur zwei Drähte. Weiterhin prägten sie die Idee, die Leitungen an hohen Masten oder über die Dächer der Häuser zu verlegen. Für den Hinweis auf eine folgende Nachricht benutzten sie einen Kommutator, welcher die Richtung eines Magnetfeldes dauernd änderte und eine Nadel an eine Glock e schlagen ließ.

Der Engländer Cooke entwickelte zusammen mit dem Physiker Wheatstone 1837 den Fünfnadeltelegrafen in Form einer Raute, auf der der Schnittpunkt zweier Nadeln den gewünschten Buchstaben anzeigte. Durch Uneinigkeiten zwischen Wheatstone und Cooke wurden die Wheatstone/Cooke-Patente an die neu gegründete Electric Telegraph Company verkauft. Diese Zeigertelegrafen wurden über längere Zeit bei der Taunusbahn, der französischen Telegrafenverwaltung und bei den Potsdamer und Thüringer Eisenbahnen eingesetzt.

Nach einigen unbedeutenden Weiterentwicklungen im Bereich der Drucktelegrafen, die in Lage waren die Übertragung zu speichern, setzte sich das Verfahren für Telegrafiezwecke" von Samuel Finley B. Morse durch. Der Maler Samuel Morse versuchte sei nen Lebensunterhalt durch Porträtmalerei zu verdienen. Als er eines Tages im Weißen Haus in Washington ein Porträt anfertigte, bekam er eine Drahtnachricht (Depesche) über den Tod seiner Frau, die allerdings schon vor über eine W oche verstorben war. Dies zeigt, mit welcher Geschwindigkeit damals Informationen in den USA übertragen wurden. Während einer Schiffahrt 1832 hat der Telegraf in Morses Kopf Formen angenommen, doch wegen Geldnot mußte dieses Vorhaben warten. In der Zwischenzeit hatte der Physiker Joseph Henry 1835 das Problem des Leitungswiderstandes beseitigt. Er erfand ein Relais , daß am Ende der Telegrafenleitung auch noch auf geringen Strom ansprach und eine weitere Stromquelle dazuschaltete.

Samuel Morse führte seinen ersten Telegrafen am 4. September 1837 vor. Bei diesem Modell war ein Bleistift an einer Spule befestigt, welcher beim Anlegen einer Spannung angehoben wurde und somit Zackengruppen auf einen Papierstreifen zeichnete. Am 20 . Juni 1845 erhielt der Erfinder das Patent auf seinen verbesserten Telegrafen und die von ihm erfundene Morse"-Taste. Bei diesem neuen Telegrafen wurden bereits Punkte und Striche für die Aufzeichnung verwendet. Wegen der Wirtschaftsdepression 1841 konnte die erste Versuchstrecke von Washington nach Baltimore erst 1843 gebaut werden, welche am 24. Mai 1844 eröffnet wurde. In Deutschland wurde 1847 ebenfalls eine Telegrafenlinie nach dem Prinzip von Samuel Morse zwischen Hamburg und Cuxhaven errichtet. Deren erster Inspektor Friedrich Clemens Gerke entwickelte das Morsealphabet, daß heute noch Gültigkeit hat. Der Gehilfe Morses, Alfred Lewis Vail, entdeckte, daß sich Morsezeichen akustisch leichter und schneller entziffern ließen. Durch den Klopfer, der die Signale hörbar machte, konnte ein Beamter im Durchschnitt ca. 600 Wörter pro Stunde übertragen.