Erste Gedanken von Charles Bourseul (1829-1912): Als Telegrafenbeamter in Paris hatte Bourseul Gelegenheit zum intensiven Studium der Telegrafie. Von Anfang an beschäftigte er sich mit der Lautübertragung auf elektrischem Wege. Da seine Vorschläge bei der Post- und Telegrafenverwaltung kein Gehör fanden, ging er 1854 an die Öffentlichkeit. Er hielt ein Referat über die Möglichkeit der elektrischen Sprachübertragung mittels einer beweglichen Platte, die, mit einem elektrischen Kontakt versehen, abwechselnd einen von einer Batterie gespeisten Stromkreis öff-nete oder schloß. Seitens der Wissenschaft bezeichnete man Bourseuls Idee als fantastischen Traum, in der Öffentlichkeit hatte er den Ruf eines "harmlosen Irren". So kam es, daß er seinen Vorschlag nicht konstruktiv verwirklichte und dieser eine zeitlang in Verg essenheit geriet.
Der aus Gelnhausen stammende Reis zeigte schon in frühen Jahren großes sprach- und naturwissenschaftliches Interesse. Er genoß eine höhere Ausbildung an Instituten in Friedrichsdorf und Frankfurt am Main. Bereits 1851 trat er in den Physikalischen Verein in Frankfurt ein. Nach Abschluß seiner Ausbildung erhiehlt er an seiner alten Schule, dem Institut von Hofrat Garnier in Friedrichsdorf, eine Anstellung als Mathematik- und Physiklehrer.
Reis hatte sich eine Scheune als Werkstatt eingerichtet, in der er bei jeder Gelegenheit physikalische Experimente durchführte. So entwickelte er für den Physikunterricht ein Eichenholzmodell einer Ohrmuschel, welches der Ausgangspunkt seiner Telefonerfindung war. Seine Absicht war es, "Töne aller Art durch den galvanischen Strom in beliebiger Entfernung zu reproduzieren". Also verklebte er sein Ohrmodell mit Wursthaut, um das Trommelfell zu simulieren, ein dünner Platinstreifen stellte die Gehörknöchelchen dar und lehnte als "Hammer" am "Trommelfell". Dort wo der Platinstreifen das Trommelfell berührte, befand sich eine Feder. Diese und der Drehpunkt des Platinstreifens wurden an je einem Pol einer Batterie angeschlossen. Nun wurden die Schallschwingungen in Schwingungen der "Wursthaut-Membran" umgewandelt, die wiederum im selben Rhythmus den Stromkreis unterbrachen. Reis erkannte sehr schnell, daß er das komplizierte Ohrenmodell durch einen membranbespannten Schalltrichter ersetzen konnte.
Der Empfänger war eine Spule, in der eine Stricknadel steckte (Prinzip: Elektromagnet). Diese Spule wurde vom "zerhackten" Strom durchflossen, wodurch die Nadel Töne hervorbrachte, die von einer hölzernen Kiste als Resonanzboden verstä rkt wurden. Die Übertragung war nur in eine Richtung möglich und die Übertragungsqualität war äußerst schlecht, doch der Apparat funktionierte, wie Versuche aus jüngerer Zeit bewiesen. 1861 folgte die Vorführung dieses Telefons vor dem Physikalischen Verein, Übertragung eines Waldhornsolos. Trotz seiner Bemühungen gelang es Reis nicht, seinem Apparat zum Durchbruch zu verhelfen. Er verkaufte zwar einige Apparate für Laboratorien, doch die "gefeiertsten Männer der Wissenschaft" sahen seine Konstruktion als Kuriosum an und schen kten dieser keine besondere Beachtung. Angesichts der Tatsache, daß zu dieser Zeit die Entwicklung des Telegraphen noch nicht abgeschlossen war, kam Reis mit seiner Erfindung einfach zu früh.
Graham Bell war Taubstummenlehrer mit großem physikalischem Interesse. Nach seiner Auswanderung von Schottland nach Amerika im Jahre 1870, eröffnete er 1873 eine Privatschule für Stimmphysiologie und begann verstärkt physikalische Versuche durchzuführen. Neben einem genauen Studium des menschlichen Ohres und der Sprachschwingungen führte er Versuche zur Mehrfachtelegraphie durch. Hierbei übertrug er Töne verschiedener Stimmgabeln auf elektrischem Wege (Öffnen und Schließen eines Stromkreises) über eine Leitung. Mit Hilfe eines Elektromagneten und einer Stimmgabel konnte er die elektrischen Signale wieder in Töne verwandeln.
Hieraus erkannte er, daß eine Übertragung von Sprache nicht mit einfachen Stromkreisunterbrechungen zu erreichen war, sondern dies nur durch eine kontinuierliche Stromänderung geschehen konnte. Als Lösung seines Problems boten sich die 1831 vom englischen Physiker Faraday gewonnenen Erkenntnisse der "elektromagnetischen Induktion" (Stromänderung proportional zur Magnetfeldänderung) an. Allerdings wußte Bell diese nicht auf sein Problem anzuwend en, da ihm fundierte elektrotechnische Kenntnisse fehlten. Am 2. Juni 1875 schließlich ließ ihn eine Panne bei seinen Versuchen mit dem harmonischen Telegraphen die notwendigen Zusammenhänge erkennen, und er machte sich sofort zusammen mit seinem Assistenten Watson an die Konstruktion eines elektrischen Sprechtelefons. Das Prinzip war die Umwandlung von Membranschwingungen in elektrische Schwingungen; diese Aufgabe übernahm eine Anordnung aus einem membranbespannten Schalltrichter, der über einen Stift und Anker Verbindung zu einem Elektromagneten hatte. Die Rückumwandlung elektrischer Schwingungen in Schallschwingungen, erfolgte durch ein baugleiches Gerät. Im Gegensatz zu Reis unterbrach Bell nicht den Stromfluß sondern ließ ihn im Rhythmus der Schallwellen schwingen.
Im Februar 1876 wurde Bells Telefon von dessen Anwalt zum US-Patent angemeldet, 2 Stunden bevor Elisha Gray dies für einen ähnlichen Apparat tat. Bereits am 7. März 1876 erhielt Bell das US-Patent für sein Telefon. Doch erst 3 Tage später war das Gerät soweit, daß der erste Satz verständlich übertragen werden konnte. Dieser legendäre Satz war ein Notruf Bells an seinen Assistenten, nachdem er sich Säure über die Hose geschüttet hatte.
![]() Telefone von Graham Bell |
Als das Telefon nun seine Funktionalität unter Beweis gestellt hatte, folgte im Juni 1876 die erste Ausstellung. Dabei entdeckte der Kaiser von Brasilien, ein sehr einflußreicher Mann, Bells Erfindung und sorgte gleichzeitig für die dringe und notwendige Publicity. In der Gefolgschaft des Kaisers befanden sich nämlich bedeutende Wissenschaftler, die Bells Erfindung als "das größte Wunder, das je auf dem Gebiet der Elektrizität vollbracht worden ist" bezeichneten und für deren Verbreitung in der alten Welt sorgten. Dies war umso wichtiger, da die breite Öffentlichkeit Bell als Betrüger oder Bauchredner bezeichnete, auch die damals mächtigste Telegraphengesellschaft, die Western Union Telegraph Company, war nicht am Kauf des Patents interessiert. Doch Bell und Watson ließen sich davon nicht beeindrucken, gingen selbst an die Öffentlichkeit und arbeiteten weiterhin an der Verbesserung des Apparats. So hatte dieser nach Ersetzung des Elektro- durch einen Dauermagneten die denkbar einfachste Form erreicht.
1877 wurde die "Bell Telephone Association" mit dem Ziel des Aufbaus von Fernsprechnetzen gegründet. Kurze Zeit später war Bell in die ersten der insgesamt rund 600 Patentprozesse verwickelt. Viele "Erfinder" behaupteten, sie hätten das Telefon vor Bell erfunden, ohne zu wissen, daß das was sie erfunden hatten, ein Telefon war. Sogar Phillip Reis wurde Opfer eines solchen Rechtsstreits.
Siemens & Halske entwickelten eine Fernschreibmaschine (Zeigertelegraphen), die wie eine Büroschreibmaschine aussah. Die Geräte konnten nun bei den Nutzern direkt aufgestellt werden, doch 1933 hatten ganze 13 Teilnehmer den Mut, sich an das Telexnetz anschließen zu lassen. 1939 erhöhte sich die Teilnehmerzahl auf 1500 und 1975 waren es ganze 90.000. Nachdem dieser Fernschreiber das Bild der Büros jahrzehntelang bestimmte, war der nächste entscheidende Einschnitt die Einführung der Elektronik. Siemens entwickelte den Fernschreiber 1000, der sehr kompakt gehalten wurde. Es wurden bereits 8 Integrierte Bausteine (IC's) eingesetzt. Nach dem der schnellere Teletex das Telex abgelöst hatte, wurde kurze Zeit später das Telefaxsystem erfunden. Mit Telefax war es möglich innerhalb einer Minute alles zu übermitteln was in einem DIN A4-Vormat vorlag (Zeichnungen, Bilder, Texte). Während in Europa weiterhin auf das Teletex System gesetzt wurde, entwickelte man das Telefax in Japan weiter, da es für die komplizierte, bildhafte Schrift besonders geeignet war. Weiterentwicklungen beschränkten sich auf die Größe des Gerätes, die Farbübertragung, die Auflösung der Übertragung und natürlich die Schnelligkeit. 1988 wurden weltweit 3 Mio. Geräte verkauft.
Elisha Gray, dessen Verbitterung verständlicherweise groß war, verbündete sich mit der Western Union und be-gann ebenfalls mit dem Aufbau von Fernsprechnetzen. So wurde er zu einer großen Konkurrenz des Bell-Konzerns. Auch den gegen die Western Union geführten Prozeß konnte Bell für sich entscheiden, was zu einer Mono-polstellung des Bell-Telefons führte. Oft waren die Erfolge vor Gericht einfach darauf zurückzuführen, daß Bell der erste war, der das Patent für ein Telefon erhielt. 1885 ging aus der "Bell Telephone Association" die "American Telephone and Telegraph Company" (AT&T) hervor, welche heute den größten Telefonkonzern der Welt darstellt. 1894 hatte das Prozeßgerangel schließlich ein Ende, da in diesem Jahr Bells letztes Patent ablief. Als Bell am 2. August 1922 starb, waren in den Staaten bereits 14.374.000 (!) Fernsprecher in Betrieb.
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Ein Manko war, daß sich Sender und Empfänger in einem Gehäuse befanden, was ein schnelles Wechsel vom Mund zum Ohr und umgekehrt nötig machte. Desweiteren mußte man sehr laut sprechen, um verstanden werden, und ab 75 km Leitungs länge war wegen der schwachen Induktion keine Verbindung mehr möglich. Eine Lösung lag in der Verbesserung des Senders. Die Vorarbeit hierzu hatte der Pariser Elektroingenieur Moncel 1857 geleistet. Er erkannte, daß der Widerstand zwi schen einer Metallspitze und Kohle druckabhängig ist. Dieses Wissen führte im April 1877 zur Erfindung des Kohlemikrofons durch Emil Berliner und fast zeitgleich durch Alva Edison.