Die Geschichte der Telegraphie, Telephonie, Mobilfunk und Vermittlungstechnik.

Die Anfänge der Telegrafie: Optische Telegrafie

Der Geistliche Monsieur Claude Chappe (1763-1805) erfand 1791 mit Hilfe seiner Brüder den ersten optischen Telegrafen. Trotz seines geistlichen Studienfaches (Collége de Joyeuse: Abbé Commendataire) fühlte er sich schon früh von den Naturwissenschaften angezogen. Nach dem Beginn der Französischen Revolution 1789 wurden Chappe und seine vier Brüder arbeitslos und hatten damit nun eine Menge Zeit um sich dem Telegrafie-Gedanken" zu widmen.

Briefmarke von Claude Chappe

Briefmarke von
Claude Chappe

Briefmarke 150 Jahre Telegraphenverbindungen

Briefmarke 150
Jahre Telegraphen-
verbindungen

Ihr erstes System arbeitete mit zwei synchronlaufenden Uhrwerken deren Zifferblätter durch Codezeichen unterteilt waren. Die Sendestation mußte einen Gong betätigen, wenn der Sekundenzeiger das zu übermittelnde Codezeichen überst rich und der Empfänger dies auf seinem Zifferblatt ablesen. Dieses System war natürlich noch sehr fehlerhaft und außerdem für eine maximale Entfernung von ca. 400m konstruiert. Den Gong ersetzte man durch farbige Flächen und erreichte dadurch immerhin eine Reichweite von 15 km. Es wurde beschlossen, eine Versuchslinie über 70 km von Pelletier St. Fargeau nach St. Martin du Thertre zu bauen. Die erste Übertragung fand 1793 statt. Am selben Tag wurde Chappe beauftragt eine weitere Strecke von Paris nach Lille (ca. 225 km) zu errichten. Bei dieser Strecke mußten 22 Zwischenstationen eingerichtet werden, für die jeweils Bedienung spersonal angelernt werden mußte. 1794 war die Strecke fertig gestellt und Chappe erhielt den Auftrag, alle wichtigen Städte Frankreichs durch ein Telegrafennetz zu verbinden. Etwa um die gleiche Zeit wurde in England und in den USA der von Lord George Murray 1795 erfundene optische Telegraf, der six shutter semaphor (griechisch sema-Zeichen, phoros-tragend) eingeführt, welcher mit 6 Klappen arbeitete, die verschiedene Zeichen codierten.

Optischer Telegraph

Optischer
Telegraph

Französischer Telegraph

Französischer
Telegraph

Optischer Telegraph

Optischer
Telegraph

Preusischer Telegraph

Preusischer
Telegraph

Bedieneinheit Zeigertelegraph

Bedieneinheit
Zeigertele-
graph

Um Das Jahr 1800 wurde Frankreich bereits von einem Netz von 29 solcher Schnellsendelinien überzogen. Dieses, mit einigen Ausnahmen, zentralistische Telegrafennetz führte meist von großen französischen Provinzstädten nach Paris. Nicolas-Jacques Conté entwickelte einen optischen Telegrafen, mit dessen Hilfe während der Revolutionstage vom aufgestiegenen Ballon aus Aufklärungsergebnisse zur nächsten Chappe'schen Telegrafenstation übermittelt werden konnte n. Im Jahr 1844 sollen in Frankreich rund 5000 km Chappe Linien mit 534 ständigen Stationen bestanden haben. Im übrigen Europa waren die Ausdehnungen bescheidener als im Erfinderland Frankreich.

Der deutsche Physiker Johann Lorenz Beckmann setzte sich mit dem Chapp'schen Telegrafensystem auseinander und übertrug am 22. November 1794 das 1. Telegramm Deutschlands. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Rußland und England ebenfalls an der Entwicklung optischer Telegrafen gearbeitet. Die Preußen führten die optische Telegrafie erst 1832 offiziell ein. Zu diesem Zeitpunkt waren längst Erfolge im Bereich der elektrischen Telegrafie erzielt worden. Nachdem alle preußisch en Formalitäten erledigt waren, wurde dem Postrat Karl Phillip Heinrich Pistor die Erlaubnis erteilt, eine Telegrafenlinie von Berlin nach Koblenz zu errichten. Der Bau wurde sorgfältig vom Kriegsministerium überwacht, der das Telegrafenwe sen untergeordnet war. Der Preußische König lehnte 1834 einen Antrag ab, welcher die Telegrafie für Handelsnachrichten bzw. Börsennachrichten freigeben sollte.