Die Geschichte der Telegraphie, Telephonie, Mobilfunk und Vermittlungstechnik.

Die Entstehung der Seekabel

Die Geschichte der Seekabel beginnt wie bei den Landkabeln mit der Erfindung der Guttapercha-Isolation. 1850 erfolgt die Verlegung des ersten Seekabels zwischen England und Frankreich durch die Brüder Brett. Über dieses Kabel konnte nur ein einz iges Telegramm übermittelt werden, bevor es brach. Der 2. Versuch mit einem armierten Seekabel ein Jahr später war erfolgreich, was ein regelrechtes Kabelfieber auslöste. Spätere Versuche einer Verlegung eines Kabels von Sardinien nac h Algerien scheiterten wegen der im Vergleich zum Ärmelkanal großen Wassertiefe an einer geeigneten Verlegeeinrichtung, einer Kabelbremse, mit der man das Abrollen des Kabels von der Trommel kontrollieren konnte. 1857 entwickelte Werner Siemens eine Meßmethode zur Auffindung von Kabelfehlern. Außerdem hatte Siemens eine Theorie zur Berechnung der notwendigen Bremskraft auf eine Kabeltrommel gefunden. Mit Hilfe Siemens glückte schließlich die Kabelverlegung, das Ansehen des Hauses Siemens stieg europaweit gewaltig an.

In Amerika hatte man sich schon seit einiger Zeit über eine transatlantische Telegraphenverbindung Gedanken gemacht. Man versprach sich gewaltige Gewinnchancen durch den raschen Informationsaustausch mit den Börsenplätzen und Rohstoffmärkten Europas. Der New Yorker Cyrus Field entwarf 1856 zusammen mit dem Engländer Charles Bright einen Plan für ein Transatlantikkabel, nachdem 1854 die "Atlantic Telegraph Co." gegründet worden war. 1857 war dieses 4.000 km lange Kabel fertig. Aus Kapazi tätsgründen erfolgte die Verlegung von 2 Schiffen aus. Doch kurz nach Verlegungsbeginn brach das Kabel, eine Bergung war nicht möglich. Auch die Verlegung eines stärker armierten Kabels scheiterte ein Jahr später. Erst der 5. Versuch war erfolgreich und das Kabel zwischen Irland und Neufund-land (Kanada) im August 1858 gelegt. Riesiger Jubel begleitete die Fertigstellung, waren doch die "Wochen entfernten" Kontinente nun binnen weniger Minuten zu erreichen. Im September 1858 brach dann das Kabel, in den 4 Betriebswochen wurden etwa 400 Depeschen übertragen. 1864 bestellte Fields Gesellschaft ein 5100 km langes Seekabel, außerdem wurde die "Great Eastern", damals weltgrößter Liniendampfer, als Verlegungsschiff beschafft. Nach einem Fehlschlag mit Kabelverlust gelang es 1866 ein neues Kabel zu verlegen und das ein Jahr zuvor verlorengegangene Kabel zu finden und dessen Verlegung zu beenden. So war eine Parallelverbindung zwischen Europa und Kanada entstanden, auf der 3 Worte in der Minute übertragen werden konnten.

1850 Verlegung von Seekabel

1850 Verlegung von Seekabel

Um die nötigen Aufträge für ihre Kabelfabrik zu erhalten, stiegen die Brüder Siemens ebenfalls ins Transatlantikkabelgeschäft ein. Geplant war eine Verbindung zwischen Irland und New Hampshire, USA. Die Umsetzung der Planung begann 1874, nachdem ein eigens für dieses Unternehmen in Auftrag gegebenes Kabelverlege- und Bergungsschiff, die "Faraday", fertiggestellt worden war. Trotz eines Kabelbruchs an einer Stelle, an der das Meer ca. 6000m tief war, gelang es, das Kabel zu bergen und die Verlegung im September 1874 zu vollenden. Das Kabel zeichnete sich durch eine sehr gute Armierung und beste Isolation, die Siemens durch seine selbstkonstruierten Meßgeräte ständig überwachen konnte, aus.