Im Jahre 1834 war man der festen Überzeugung, daß auf große Entfernung nur eine oberirdische Kabelverlegung möglich wäre, da Versuche Kabel zu isolieren und unterirdisch zu verlegen immer wieder gescheitert waren. Also muß te man die großen Nachteile der oberirdischen Verlegung wie mutwillige Beschädigung, Zerstörung durch Naturgewalten und aufwendige Leitungsführung in Kaufnehmen. Als Leiter kamen damals die Metalle Kupfer und Eisen in Frage. Versuche mit Kupfer zeigten, daß durch die Dehnbarkeit viele Masten notwendig wurden, außerdem war der Kupferpreis sehr hoch. Also griff man auf das unedlere Eisen zurück, was dazu führte, daß Drähte sehr schnell rosteten. Deshalb verwendete man in Deutschland ab 1873 nur noch verzinkte Eisendrähte, das Verfahren des Verzinkens war ja längst bekannt. In Amerika wurden die Eisendrähte, die einen D urchmesser von 3-5 mm hatten, nach einem galvanoplastischen Verfahren verkupfert.
Grundpfeiler der Telegraphenlinien waren die Holzmasten. Anfang des 19. Jahrhunderts nagelte man die Drähte direkt an die Masten. Dies hatte zur Folge, daß die nahezu immer vorhandene Feuchtigkeit, die ja elektrischen Strom gut leitet, diesen gegen die Erde abfließen ließ und die Verbindung zusammenbrach. So entwickelte man verschiedene Isolationsverfahren. Der erste wirkliche Fortschritt wurde 1858 mit der Erfindung eines feuchtigkeitsdichten Porzellanisolators (sog. "Doppelglocke" ) erzielt. Ein weiteres Problem war die Haltbarmachung der Masten selbst. Um der schnellen Verrottung Herr zu werden, entwickelte man ab 1831 verschiedene Verfahren der Holzimprägnierung. Mit den ersten Telegraphenlinien entstand auch ein neuer Beruf, nämlich der des Leitungsaufsehers. Eine besondere Leistung der Telegraphiegeschichte war der Bau der "indo-europäischen-Telegraphenlinie" durch die Brüder Siemens von 1866 bis 1870. Diese Linie verband London mit Kalkutta und war auf Initiative der engl ischen Krone entstanden, um die Kommunikation bzw. den Handel mit der blühenden Kolonie Indien entscheidend zu verbessern. Diese Telegraphenlinie hatte eine Länge von 4700 km und 70.000 Masten. Um die Telegramme "ohne Handarbeit auf den Zwischen stationen" übermitteln zu können, konstruierte Werner Siemens ein spezielles Apparatesystem, das die empfangene Nachricht auf Lochstreifen aufzeichnete, welcher dann wieder einem Sender zugeführt wurde. So wurden Zeitverlust und Nachrichten verstümmelung erfolgreich vermieden.