Nachdem Mitte der 1870er Jahre das Problem einer störungsfreien Sprechverbindung gelöst war, mußte eine Möglichkeit einer Anrufsignalisierung gefunden werden. Dies geschah durch einen elektrischen Wecker (Klingel), dessen Betriebsspan nung der Batterie, die auch den Sprechstrom lieferte, entnommen wurde oder durch eine Wechselstrommaschine, dem sog. "Kurbelinduktor", erzeugt wurde. Dieser war in die Apparate eingebaut und wurde durch Drehen einer Kurbel in Bewegung gesetzt.
![]() Das Fräulein vom Amt |
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Die Möglichkeit der Verbindung eines Teilnehmers mit einem beliebigen anderen Teilnehmer wurde dadurch geschaffen, daß man von jeder Sprechstelle eine Doppelleitung zu einer zentralen Stelle führte. Dort konnte eine Vermittlungsperson die gewünschte Verbindung mittels einer weiteren technischen Einrichtung, dem sog. "Klappenschrank", durch "Stöpseln" manuell herstellen. Ihren Namen verdanken die Klappenschränke ihrer Technik: Anrufe wurden dem Vermittlungspersonal durch Herabfallen von Nummernklappen, die im Ruhezustand von einem Elektromagneten festgehalten wurden, signalisiert. Wurde dem Personal vom Anrufer das Gesprächsende mitgeteilt, trennte man die Verbindung und kippte die Klappe wieder hoch. Die erste Telefonvermittlung wird am 17.5.1877 in Washington (5 Teilnehmer) eingerichtet. Kurz darauf wurden auch die ersten Vermittlungsstellen in Europa eingerichtet, so z. B. 1877 in England und 1881 in Berlin.
Es entstanden Teilnehmerverzeichnisse (das erste Berliner Verzeichnis wurde "Buch der Narren" genannt), "Anweisungen zur Benutzung der Fernsprecheinrichtungen" reglementierten den komplizierten Fernsprechvorgang. Doch mit der steigenden Zahl von Anschlüssen stiegen auch die Probleme bei der Handvermittlung. In den Vermittlungen, die auch "Ämter" genannt wurden, mußten mittlerweile viele der anfänglich 50 Teilnehmer fassenden Klappenschränke nebeneinander aufgestellt werden. Verb indungen von einem zum anderen Schrank wurden durch Zuruf angekündigt. So kam es in den Hauptgeschäftszeiten oft zu einem großen Durcheinander, Fehlverbindungen und vergessene Teilnehmer waren an der Tagesordnung. Abhilfe brachte hier das im Jahr 1878 in Amerika erfundene "Multiple Switchboard" oder "Vielfachfeld", über das man die dem Schrank zugeordneten Teilnehmer mit jeder dem Amt zugeführten Anschlußleitung verbinden konnte. Um besetzte Leitung en zu erkennen, wurde im selben Jahr der "click busy test" entwickelt. Berührte man mit dem Stecker der Verbindungsschnur die Buchse des gewünschten Teilnehmers, war bei "Besetzt" ein Klicken zu hören. 1892 machte das von der Bell Company erfundene "Common Battery System" den Kurbelinduktor überflüssig. Den zum Telefonieren notwendigen Strom lieferte nun ein große Batterie im Amt, die Klappen konnten durch Lampensignale ersetzt werden.
Das Vermittlungspersonal anfänglich war die damals gehobene Position des Telegraphen-Gehilfen in Deutschland nur von Männern besetzt, da man glaubte, daß bei Frauen das Briefgeheimnis nicht gesichert wäre, sie sich gegenüber ihren männlichen Kollegen nicht durchsetzen könnten und die Dienstabwicklung durch häufigen Wechsel, wie etwa bei Schwangerschaft, nicht gesichert wäre. Doch bereits 1887 erkannte man auch die Vorzüge von Frauen im Vermittlungsdienst und stellte unter dem neuen Titel "Fernsprechgehilfinnen" die ersten Damen ein. Die aus dieser Zeit stammende umgangssprachliche Bezeichnung "Fräulein vom Amt" hielt sich bis weit in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts.